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26.03.2008
Die Sehnsucht nach einer Friedenspfeife
Die Diskussion um den Nichtraucherschutz wird härter denn je geführt - und sie treibt dabei immer seltsamere Blüten. Eine Bestandsaufnahme.
Wolfgang Immerschitt ist Nichtraucher. Nur eine Pfeife genehmigt er sich manchmal - und das auch nur daheim. (peter gnaiger)
Als der Chef der Salzburger PR-Agentur Pleon Publico vor Kurzem einen deutschen Bahnsteig unter freiem Himmel betrat, da habe es ihm die Sprache verschlagen. "Da gibt es jetzt gelbe Flächen. Auf die muss sich jeder stellen, wenn er eine Zigarette rauchen will", erzählt er. Dieser Anblick wäre ihm in Bozen übrigens erspart geblieben: Da herrscht auf öffentlichen Plätzen inzwischen absolutes Rauchverbot. Viele Nichtraucher sprechen von einem Sieg. Und alle Raucher fühlen sich verfolgt - und vergreifen sich dabei schon mal im Ton: In Internetforen wird derzeit viel vom "Blitzkrieg gegen Raucher" geschrieben. Besonders geschmacklos war auch jenes T-Shirt, auf dem ein gelber Judenstern mit dem Schriftzug "Raucher" prangte. Mit Vernunft, so hat es den Anschein, hat diese Diskussion längst nichts mehr zu tun. So rühmten sich etwa österreichische Wirte, dass ihre Lokale jetzt mit rauchenden deutschen Gästen voll sind. Die Nichtraucher schlugen zurück: Ein Leserbriefschreiber berichtete etwa stolz, mehr als 100 Kilometer mit dem Auto gefahren zu sein, nur um im qualmfreien Deutschland sein Backhenderl zu essen. Wobei er übrigens an vielen ausgezeichneten österreichischen Nichtraucherlokalen vorbeigefahren sein muss (siehe Kasten links oben). Auch Erfinder wurden von dem Glaubenskrieg zwischen Rauchern und Nichtrauchern schon auf den Plan gerufen: Kürzlich ließ der Halleiner Wirt Franz Lechenauer das vom Salzburger Architekten Manfred Katzlinger entwickelte System "Aeroluce" einbauen. Das ist eine Art Feinstaubsauger, dem von der AUVA bescheinigt wird, sämtliche geforderten Grenzwerte erheblich zu unterschreiten. Wenn der Gastwirt von diesem System berichtet, dann klingt das, als bewerbe er sich für den Friedensnobelpreis: "Raucher und Nichtraucher sitzen bei mir wieder glücklich an einem Tisch. Können Sie sich das vorstellen?" Dass auch absolut rauchfreie Lokale keine Umsatzeinbußen mehr zu fürchten haben, beweisen etwa die Erfolge des Restaurants Plainlinde oder der Cantinetta Marchese. Beide Gourmet-Restaurants laufen wie geschmiert, seit sie rauchfrei sind. Während in Österreich noch über das Nichtraucherschutzgesetz diskutiert wird, treiben diese Gesetze im Ausland bereits seltsame Blüten: Vor zwei Wochen gründete etwa ein Wirt in Schleswig-Holstein eine religiöse Rauchergemeinschaft. Der französische Wirt Christophe Cedat wiederum führt jetzt in Lyon sein Cafe 203 wie ein Kunstprojekt: Er lässt seine Gäste weiter qualmen, fotografiert die vollen Aschenbecher und macht daraus Poster, mit deren Verkaufserlös er die Strafen bezahlen will. Das musste er erst einmal. Dass die Behörde sein Lokal schließen lässt, befürchtet er nicht: "Das wäre Zensur. Das trauen sie sich nicht", sagt Cedat kämpferisch. Wolfgang Immerschitt und seine Geschäftspartnerin Ursula Wirth werden übrigens auch ihren Pleon-Publico-Zigarrenclub weiter veranstalten. "Weil die Zigarre ja nur ein Synonym für Lobbying ist", sagt Immerschitt. Und geraucht werde im Zigarrenclub ohnehin sehr selten - und keiner der anwesenden Nichtraucher habe jemals etwas dagegen gehabt.

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